Was auf eine Hochzeitsseite gehört
Und was getrost weggelassen werden kann
6 Minuten
Gäste stellen vor einer Hochzeit ungefähr sieben Fragen. Sie kommen per WhatsApp, am Telefon und auf dem Parkplatz nach dem Gottesdienst, und sie kommen immer wieder. Eine Seite, die sie in der richtigen Reihenfolge beantwortet, spart mehr Zeit als jede andere Vorbereitung.
Der erste Blick beantwortet drei Dinge
Wer, wann, wo. Mehr nicht. Wer eure Adresse öffnet, sieht im Idealfall eure Namen, das Datum und den Ort, ohne zu scrollen. Alles andere darf darunter kommen.
Das klingt selbstverständlich und ist es nicht. Viele Hochzeitsseiten fangen mit einem großen Foto und einem Zitat über die Liebe an, und das Datum steht irgendwo im dritten Abschnitt. Wer die Seite zum vierten Mal aufruft, weil er die Uhrzeit vergessen hat, sucht dann jedes Mal neu.
Meist sind es zwei Orte
Standesamt oder Kirche und danach der Saal, das Gut, der Hof. Diese beiden Orte gehören getrennt auf die Seite, jeder mit eigener Anschrift und eigenem Anfahrtslink. Ein einziges Ortsfeld führt dazu, dass der zweite Ort im Fließtext landet und die Navigation die halbe Gästeschar an die falsche Stelle schickt.
Wenn zwischen beiden gefahren wird, gehört die Fahrzeit dazu. „Zum Gut sind es zehn Minuten" ist eine Angabe, die niemand nachschlägt und alle brauchen. Gibt es einen Sektempfang an einer dritten Stelle, ist auch der ein eigener Ort.
Der Ablauf ist kein Programmheft
Sechs bis acht Punkte mit Uhrzeit reichen: Ankommen, Trauung, Sekt, Essen, Eröffnungstanz, Ende offen. Jeder Punkt verträgt einen Satz, wenn er etwas Praktisches sagt. „Am Tor steht jemand und weist euch ein" ist so ein Satz. „Ein Moment, den wir nie vergessen werden" ist keiner.
Was nicht in den Ablauf gehört: Überraschungen. Wer die Rede des Bruders ankündigt, nimmt ihr den Sinn.
Die drei Sätze, nach denen alle fragen
Dresscode, Geschenke, Übernachtung. Diese drei ersparen euch die meisten Rückfragen, und alle drei fallen schwer.
Beim Dresscode hilft ein praktischer Hinweis mehr als ein Begriff. „Festlich, aber bequem, der Park hat Kies" sagt einer Frau mit hohen Absätzen mehr als „Cocktail".
Der Satz zu den Geschenken ist der, den alle suchen und niemand gern schreibt. Er darf direkt sein. Wer sich Geld für eine Reise wünscht, schreibt das; wer nichts möchte, schreibt das auch. Vage Andeutungen führen dazu, dass zwölf Leute einzeln nachfragen, und die fragen dann bei der Trauzeugin.
Bei der Übernachtung zählen drei Angaben: welches Haus, welches Stichwort, bis wann. Ohne die Frist verfällt das Kontingent, und ihr erfahrt es von den Gästen.
Eine Person, die Fragen beantwortet
Auf die Seite gehört ein Name mit Erreichbarkeit, und der Name sollte nicht eurer sein. Vier Wochen vor der Hochzeit ist ein Brautpaar mit anderem beschäftigt als mit der Frage, ob man Kinder mitbringen darf. Die Trauzeugin, der Bruder, eine Freundin: Wer dort steht, bekommt die Anrufe, und das ist der Zweck.
Wenn eure Gäste online zusagen, sollten die Rückmeldungen ebenfalls bei dieser Person auflaufen und nicht bei euch.
Was weggelassen gehört
Eine Seite wird nicht besser, wenn mehr draufsteht. Drei Dinge kosten fast immer mehr, als sie bringen:
Eine eingebettete Karte zieht einen Einwilligungsbanner nach sich, und den will niemand auf einer Einladung wegklicken. Ein Verweis öffnet die Karten-App, die der Gast ohnehin benutzt, und überträgt bis zum Antippen nichts.
Eine Fotogalerie vom Kennenlernen liest sich für euch schön und für die meisten Gäste gar nicht. Ein oder zwei Bilder geben der Seite ein Gesicht, zwanzig machen sie langsam.
Platzhalter wie „wird noch bekanntgegeben" sind schlechter als eine Lücke. Sie erzeugen genau die Rückfrage, die sie vermeiden sollen. Was ihr noch nicht wisst, lasst ihr weg und tragt es nach.
Und wer sie sehen darf
Eine Hochzeitseinladung ist privat. Sie sollte auf noindex
stehen, damit Google sie nicht in den Index aufnimmt, und sie sollte nirgends
öffentlich verlinkt sein. Wer zusätzlich sichergehen will, setzt ein Zugangswort
davor und schreibt es auf die gedruckte Karte.
Das ist keine Kleinigkeit: Auf so einer Seite stehen ein Datum, an dem ein Haus leer ist, und später eine Liste mit Namen.
Weiterlesen
- Save the Date, wenn noch fast nichts feststeht Ein Jahr vorher kennt ihr das Datum und ungefähr den Ort. Das reicht schon für eine Seite, wenn sie ehrlich sagt, was noch fehlt.
- Zusagen einsammeln, ohne dass etwas untergeht Vier Kanäle, drei Wochen, eine Zahl für den Caterer. Was ein Rückmeldeformular löst, und was weiterhin am Telefon passiert.